Unternehmensnachfolge über Plattform oder strukturierter Verkaufsprozess: Welche Lösung passt zu Ihrem Ziel?

In Gesprächen mit Unternehmerinnen und Unternehmern stellen wir aktuell fest, dass sich die Landschaft der Nachfolgelösungen verändert:

Neben klassischen M&A-Beratungen entstehen zunehmend Plattformmodelle, die Unternehmensnachfolgen mit Finanzierungslösungen kombinieren.

Diese Angebote können sehr effizient sein – insbesondere wenn es primär darum geht, eine Transaktion zu ermöglichen.

Gleichzeitig verfolgen sie jedoch eine andere wirtschaftliche Logik als ein strukturierter Verkaufsprozess.

Und genau diese Logik beeinflusst – oft unbemerkt – den späteren Verkaufspreis sowie die Auswahl möglicher Nachfolgelösungen.

Die eigentliche Entscheidung fällt oft früher

In vielen Nachfolgeprozessen beginnt die entscheidende Phase nicht erst bei der Vertragsunterzeichnung.

Sondern in dem Moment, in dem eine konkrete Nachfolgelösung zur Referenz wird.

Ab diesem Zeitpunkt orientieren sich Gespräche häufig an dieser bestehenden Option – statt an möglichen Alternativen.

Nicht bewusst. Sondern weil Vergleichswerte fehlen.

Die zentrale Frage lautet dann selten:

„Ist dies die beste Lösung?“

Sondern:

„Reicht diese Lösung aus?“

In vielen Fällen entsteht zu diesem Zeitpunkt nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine emotionale Bindung an die bestehende Lösung.

Ein konkreter Ansprechpartner schafft Sicherheit. Ein möglicher Käufer vermittelt Fortschritt. Eine geprüfte Finanzierung signalisiert Umsetzbarkeit.

Die Alternative – den Prozess erneut zu öffnen und weitere Optionen zu prüfen – wird dadurch häufig als Risiko wahrgenommen:

  • zeitlich
  • organisatorisch
  • und nicht zuletzt persönlich

Denn mit jeder neuen Option entstehen neue Fragen, neue Gespräche und neue Unsicherheiten.

In der Praxis beobachten wir, dass diese Form von Sicherheit dazu führen kann, dass bestehende Lösungen weniger hinterfragt werden – selbst wenn alternative Strukturen oder Partner verfügbar wären..

Zwei unterschiedliche Zielsysteme

Vereinfacht gesagt verfolgen Nachfolgelösungen beim Firmenverkauf meist eines von zwei Zielen:

ZielsystemTypischer Fokus
Transaktion ermöglichenKäufer finden und Finanzierung sichern
Optionen schaffenAuswahl ermöglichen und Vergleichbarkeit herstellen

Beides kann sinnvoll sein. Aber es führt zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Eine Lösung, die primär auf Finanzierbarkeit abzielt, optimiert den Abschluss.

Ein strukturierter Wettbewerbsprozess optimiert die Entscheidungsgrundlage.

Warum Auswahl entscheidend ist

Ein strukturierter Verkaufsprozess verfolgt deshalb ein anderes Ziel:

Nicht nur einen Käufer zu finden – sondern mehrere realistische Optionen vergleichbar zu machen, bevor eine Referenz entsteht.

Denn:

  • Ohne Auswahl fehlt Vergleichbarkeit.
  • Ohne Vergleichbarkeit fehlt Verhandlungsmacht.
  • Ohne Verhandlungsmacht bleibt Entscheidungsfreiheit begrenzt.

Prozessbegleitung als preiswirksamer Faktor

Ein strukturierter Verkaufsprozess schafft jedoch nicht nur Auswahl.

Er strukturiert auch den weiteren Verlauf der Transaktion.

In der Praxis beobachten wir, dass sich im Verlauf eines Nachfolgeprozesses zahlreiche Fragen ergeben, die über die reine Käufersuche hinausgehen:

  • Wie werden unterschiedliche Erwartungen zwischen Management und Käufer moderiert?
  • Welche Struktur passt zur individuellen Situation des Verkäufers (z. B. Earn-out, Minderheitsbeteiligung, Verkäuferdarlehen)?
  • Wie werden Unsicherheiten im Due-Diligence-Prozess adressiert?
  • Welche Themen beeinflussen die Finanzierbarkeit – und wie lassen sie sich vorab strukturieren?

Ohne eine aktive Prozessbegleitung entstehen solche Klärungen häufig erst spät im Transaktionsverlauf.

Nicht selten unter Zeitdruck – und mit begrenztem Verhandlungsspielraum.

Ein strukturierter Prozess verfolgt deshalb nicht nur das Ziel, mehrere Optionen vergleichbar zu machen.

Sondern auch, die Entscheidungsfähigkeit während der gesamten Transaktion aufrechtzuerhalten.

Entscheidungsfreiheit statt Abschlussdruck

Auswahl schafft:

  • Verhandlungsmacht
  • Strukturierungsoptionen
  • Vergleichbarkeit bei Preis und Partner
  • Entscheidungsfreiheit

Strukturierte Prozessführung hilft zudem:

  • preisreduzierende Dynamiken während der Due Diligence frühzeitig zu adressieren
  • Erwartungsunterschiede zwischen Käufer und Verkäufer zu moderieren
  • Transaktionsstrukturen (z. B. Earn-out, MBI/MBO-Strukturen) an die individuellen Ziele des Unternehmers anzupassen

In der Praxis beobachten wir, dass die daraus resultierenden Preisunterschiede die Differenz in den Beratungskosten teilweise deutlich übersteigen.

Fazit

Plattformlösungen können sehr effizient sein, wenn es darum geht, eine Nachfolge zu ermöglichen.

Ein strukturierter Verkaufsprozess hingegen zielt darauf ab, Optionen zu schaffen – und damit eine fundierte Entscheidung zwischen mehreren realistischen Alternativen zu ermöglichen.

Denn:

Plattformen suchen Käufer.
Prozesse schaffen Auswahl.
Auswahl schafft Verhandlungsmacht.
Verhandlungsmacht schafft Preisvorteile – und Entscheidungsfreiheit.